Corinne Fischer

In der Rubrik „Corinne Fischer, was geschah" plaudert sie in regelmässigen Abständen über Ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse mit Wein und ihre Herausforderungen als Unternehmerin.

Henschke Barossa Valley

Ein herrlicher Tag in Australien. Vor mir liegt der Besuch eines der bekanntesten und renommiertesten Weinhäuser des Landes. Stephen Henschke, Managing Director einer der «Australias First Families of Wine», führt mich persönlich duch seinen Keller. Ich staune: Die Anlage stammt aus der Zeit von Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Weine liegen in mit Plastik abgedeckten offenen Betontanks auf der Maische. Anschliessend lagern sie in alten Betontanks bis zu ihrer Abfüllung. Bei Henschke wird also so gearbeitet wie zu Grossvaters Zeit. Natürlich bin ich neugierig auf den Grund dafür. «Sehen Sie», antwortet Henschke, «schon meine Grosseltern haben den besten Wein der Welt gemacht. Warum soll das heute und bei uns anders sein?» Der Markt gibt ihm Recht.

Andererseits spricht auch nichts dagegen, von Innovationen und neusten Technologie zu profitieren, so wie wir bei Bataillard das tun. Wir sind auch ein Familienunternehmen, das seine Grundwerte beibehalten hat. Unser Ziel ist es ebenfalls, unseren Kunden die besten Weine zu liefern. Wir haben uns dafür entschieden, dies mit modernsten Methoden und nach neusten Erkenntnissen zu tun. Unsere Erfolge in der Vergangenheit zeigen, dass dieser Entscheid richtig war.


Der «Fluch» des Wein-Profis

Ich liebe meinen Job. Ganz besonders liebe ich daran alles, was mit Menschen zu tun hat. Gespräche mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitenden führe ich extrem gern. Unterhaltungen bieten den besten Nährboden für neue Ideen. Probleme werden schneller und leichter gelöst, wenn mehrere Augenpaare schauen, Ohrenpaare hören und Gehirnhälften denken. Ich bin gerne Unternehmerin. Und noch lieber bin ich Unternehmerin in dieser unserer Wein-Branche.

Allerdings hat die Sache mit der Branche auch einen Nachteil: Warum nur soll ich mich auch privat ständig über Wein unterhalten müssen? Weshalb «darf» ich bei jedem Essen im Freundeskreis den Wein aussuchen? Manchmal hätte ich gerne mal Pause vom Weinunternehmerinnendasein. Möchte mich an Veranstaltungen über alltägliche Dinge unterhalten und die Wahl des Weines beim Dinner auch einmal anderen überlassen. Denn mir ist es wichtig, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Ich sehe gerne auch gewohnte Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln - am liebsten aus ganz neuen. Und ich liebe es, mich überraschen zu lassen. Zum Beispiel von einer Weinauswahl, die ich nicht selber getroffen habe.


Das Treffen einer Weinlegende und Besuch bei  Kaiken

Anfang Jahr packte ich die Gelegenheit beim Schopf und besuchte im Rahmen einer Südamerika Reise Kaiken. Kaiken war seit Jahren einer unserer absoluten Wunschpartner aus Argentinien. Dass es mit der Zusammenarbeit im letzten Jahr geklappt hat, war eine wirklich grosse Freude für mich.

Ebenso gross war meine Freude als ich hörte, dass auch Aurelio Montes Senior zu diesem Zeitpunkt in Mendoza sein würde.  Die Aussicht, diese Weinlegende zu treffen war aufregend. Wir trafen uns zum Abendessen und sofort fühlte ich mich wohl inmitten der beiden Aurelio’s. Beide sprühen vor Lebensfreude und Energie, beide sind beseelt von der Idee kompromisslos auf Qualität zu setzen. Dabei wird auf Harmonie im Umfeld geachtet und man geht achtsam und mit Respekt mit der Umwelt um.  Diese Philosophie spürt man überall. Mit viel Liebe werden Details gepflegt.  

Aurelio Montes Senior erklärt, dass sein Erfolgsrezept genau das war. In den 80er Jahren setze er als erster auf Qualität in Chile. Er setzte auf neue Ideen, anders und besser sein war seine Devise. Er setzte auf Harmonie mit der Umwelt und mit den Mitarbeitern. Die Kellereien wurden mit Hilfe von Feng Shui energetisch gestärkt, die Weine mit gregorianischen Chorälen bespielt (die Musik Wellen sollen den Wein besonders gut reifen lassen), man setzte auf Mitarbeiter welche Freude an der Arbeit und eine positive Ausstrahlung hatten, man unterstützte Hilfsprojekte in der Umgebung der Kellerei, und man verzichtetet auf Dünger um den Boden  möglichst natürlich zu lassen. 

Genau diese Konzepte findet man auch bei Kaiken wieder. Man spürt es in der Luft, hier herrscht eine gute Atmosphäre. Man spürt es im Gaumen durch die kräftigen und harmonischen Weine. Ich geniesse die ausführliche Degustation und die Diskussion zu jedem Wein. Meine grösste Entdeckung ist die Qualität des Cabernet. In meinem Kopf habe ich Mendoza immer mit Malbec verbunden und wenig Interesse für den Cabernet gezeigt. Er ist kräftig, würzig und gut strukturiert. Ein wirklich komplexer Wein mit viel Charakter und Potential. Ich nehme also  nicht nur viele Inspirationen sondern auch einen neuen Liebelingswein mit nach Hause. 


 

Myanmar - Helfen, wo die Not am grössten ist.

Im November besuchte ich für die SANNI Foundation Myanmar. Seit einem Jahr arbeiten wir mit einem lokalen Team zusammen und haben kleinere Projekte unterstützt. Ziel des Besuches war es, die bestehende Zusammenarbeit vor Ort zu überprüfen und die letzten Details für den geplanten Bau der Klinik zu besprechen.

Die Armut, die wir gesehen haben übertrifft sogar diejenige in Indien. Seit dem Taifun im Jahr 2008 stieg die Unterernährung von Kindern dramatisch an. Myanmar gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Die Militärregierung führt das Land mit eiserner Hand. Es herrscht Ordnung und Sauberkeit. Aber sträflich vernachlässigt werden die Infrastruktur und das Gesundheitswesen. Das Rechtssystem wird von Willkür beherrscht, das der Regierung nahestehende Militär macht die Geschäfte. Auch wenn sich das Land langsam öffnet, der Weg dazu ist sehr lang.

Das Volk bleibt auf der Strecke. Medizinische Versorgung kann sich kaum jemand leisten. HIV, Tuberkulose, Malaria und Unterernährung sind die meistverbreiteten Krankheiten. Mit unserer geplanten Tagesklinik sollen 30‘000 Konsultationen innerhalb von zwei Jahren gratis angeboten werden. Auch die medizinische Versorgung wird gratis sein.

Die Klinik wird in einem der ärmsten Viertel in Rangoon gebaut und wird im Sommer 2014 in Betrieb genommen. Wir von der SANNI-Foundation freuen uns enorm, dass es uns gelungen ist, die Finanzierung für ein so grosses Projekt auf die Beine zu stellen. Wir können Leben retten. Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist, denn jedes Leben zählt. 


Wie entsorgt man eine Waschmaschine?

Nach 30 Jahren war es höchste Zeit die Waschmaschine zu ersetzten. Der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können.  2 Tage vor den Abfüllferien und vor dem letzten Gebrauch  begannen die ersten schwerwiegenden Pannen. Mit Mühe konnten unsere Mechaniker  eine Übergangslösung basteln, sodass das Soll mit Ach und Krach noch erfüllt werden konnte.  Wenn man sich vorstellt, dass die Maschine in den 30 Jahren gegen 100 Mio. Flaschen gewaschen hat, ist es Zeit für den Ruhestand - als ob sie es gespürt hätte.

Aber wie entsorgt man so ein riesen Ungetüm? Logisch, man zerschneidet es in Tausend Stücke. Fünf Mann waren während einer Woche non stopp damit beschäftigt die Waschmaschine  minutiös zu zerlegen. Für mich war es faszinierend zu sehen, wie so ein Innenleben einer Maschine aussieht. Von Aussen dampft, spuckt und rasselt es aber von innen arbeiten tausend Schrauben und Ketten zusammen, sodass ein schmutziges Glas, oh Wunder, zu sauberem Glas wird….


Wissen Sie wie hoch 35 Meter sind?

Das weiss doch jeder… aber wie sich das anfühlt ist etwas anderes. Das wusste ich auch nicht, bis ich zum ersten Mal auf dem Dach unseres neuen Hochregallagers stand. Die atemberaubende Rundsicht hat mich überwältig. Etwas stolz war ich schon, dass unsere Bataillard das höchste Gebäude in der Hasenmoosstrasse gebaut hat. Es ging nicht etwa mit dem Lift hoch, nein, nein, zu Fuss über das Aussengerüst. Die 35 Meter hatten wir also nicht nur im Auge sondern auch in den Beinen.

Bequemer, aber nicht minder beeindruckend, kommt man im Gebäude auf den 14 Paletten mit einem der Regalbediengeräte. Normalerweise gleiten diese von unsichtbarer Hand gesteuert ununterbrochen rauf und runter und verschieben Paletten. Für den Fall einer Panne gibt es einen kleinen Personen Notlift.

 

Wagemutig entschloss ich mich ein Notpassagier zu sein. So sausten unser Mechaniker und ich durch die Dunkelheit 14 Stockwerke an einer unendlichen Menge an Paletten vorbei in die Höhe. Ganz oben angelangt, ist schwindelfrei angesagt. Wir bewundern wie das Gerät langsam und präzise eine Palette ins Regal schiebt und sich für die Ausführung des nächsten Auftrages auf den Weg macht.

 

Erstaunlicherweise starteten wir ohne grössere Probleme in das Zeitalter der Automatisierung. Natürlich gab es ,Kinderkrankheiten‘, aber der Super Gau blieb aus. Ich bin stolz auf das Team, welches neben dem Normalbetrieb so einen Bau einwandfrei umsetzen und in Betrieb nehmen konnte. Nur wenige Kunden waren von Verzögerungen betroffen, auch Dank dem Extraeinsatz des Logistik Teams. Das sind gelebte Bataillard Werte: Herzblut – Kundenfokus und Weitblick. Ein herzliches Dankeschön an alle!


500 Tage nach dem Jobwechsel

Schweigen ist Gold, aber irgendwann ist des Schweigens zu viel! Deshalb: Hallo, hier bin ich wieder.

Seit gut 500 Tagen bin ich in meinem Amt als VR Präsidentin tätig. Wie hat sich mein Leben in der Zwischenzeit verändert? Was waren meine Erwartungen und Ziele und wie haben sich diese erfüllt?

Gründe für meinen Wechsel waren, dass ich eine Balance zwischen Bataillard und meinen humanitären Aktivitäten für die SANNI-Foundation sowie Platz für meine Coaching und Mental Training Ausbildung schaffen wollte. Wo stehe ich?

Los zu lassen und Distanz zu nehmen war nicht einfach und hat einige Zeit gebraucht. Heute widme ich mich im Schnitt zwei Tage pro Woche der Bataillard. Es macht grosse Freude zu sehen, wie sich diese Firma weiter entwickelt. Mit Erfolg haben wir unser Mega-Projekt ‚Infrastruktur optimieren‘ abgeschlossen, im Zeit- und Kostenbudget. Eine riesige Leistung. Ein wahres Feuerwerk von Innovationen haben neue Türen geöffnet und Mehrumsatz gebracht.

Im September schliesse ich meine Ausbildung für Mental Training und Coaching ab. Mit ein paar Kunden in diesem Bereich konnte ich schon ins kalte Wasser springen, was ich sehr spannend finde. Die grösste Herausforderung für mich ist, während des Coachings neutral zu bleiben. Aus meiner langjährigen Führungstätigkeit ist das eine 180 Grad Kehrtwende! Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister.

Die SANNI-Foundation war bis jetzt nur in Indien tätig. Wir haben verschiedene Spitäler gebaut und finanzieren mit Patenschaften 300 Kindern Unterhalt und Ausbildung. Neu wenden wir uns Burma zu. Auch da sollen Spitäler und Kinderheime für die Ärmsten entstehen. Ich beschäftige mich vorwiegend mit dem Fundraising, die Hälfte unseres ersten Projektes haben wir schon finanziert. Im November reisen wir nach Burma um die Umsetzung vor Ort zu besprechen. Es war schon immer mein Wunsch ein Kinderheim in Asien betreuen zu dürfen. Nun bin ich dem einen Schritt näher gekommen.

Zusammenfassend kann ich sagen: Ja, meine Erwartungen haben sich mehr als erfüllt. Der Strauss von Aktivitäten bereichert mich und macht grosse Freude. Sogar mein Hund hat sich an das neue Leben gewöhnt. Wohl fehlt ihr der tägliche Spaziergang durch die Büros und die damit verbundenen Leckereien, aber ich gleiche es mit der gleichen Mengen an Guezli’s aus…


Stabübergabe

Am 19. März veränderte sich mein Leben – und gleichzeitig begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte von Bataillard: Feierlich haben mein Bruder Marc und ich während einer Betriebsversammlung Stefan Keller, unserem neuen Geschäftsführer, symbolisch den Schlüssel für unsere Firma überreicht. Sicher war das für uns beide ein wichtiger Moment, und es war mir sehr bewusst, dass es jetzt «Loslassen» hiess – und dass mich gleichzeitig eine neue grosse Aufgabe erwartet.

Am Wochenende zuvor hatte ich mein Büro geräumt, damit der neue Mann ohne unnötigen Ballast starten konnte. Ich habe diese Aufräumarbeiten sehr genossen: Sie wurden zur emotionalen Zeitreise durch die letzten acht Jahre. Was haben wir nicht alles ausprobiert, was hatten wir für tolle Erfolge, und welche Flops haben wir produziert! Grossartig, was sich in dieser Zeit bewegt hat. Die enorme Unterstützung, die ich in den vergangenen Jahren von meinem Team erhalten habe, ist mir noch bewusster geworden. Dafür bin ich dankbar. Ganz deutlich habe ich auch gespürt, wie viel von meinem Herzblut in dieser Firma steckt. Ein Leben ohne Bataillard: unvorstellbar. Deshalb freue mich darauf, den Weg der Firma in einer neuen Form weiter begleiten zu können.


«Ein unglückliches Hundeherz» und «Ist mein E-Mail kaputt?»

Mein Umzug in ein neues Büro (vom grossen Eckraum beim Haupteingang in ein kleines Büro im zweiten Stock) hat den Wechsel in der Führung unserer Firma auch physisch klar manifestiert. Jetzt sitze ich im Bereich der Finanzen. Auch ein gutes Gefühl.

Meine Tage sind deutlich ruhiger geworden: weniger E-Mails, weniger Telefongespräche und weniger Besuche. In den ersten paar Tagen befürchtete ich, dass mein E-Mail nicht richtig funktioniert und mein Handy kaputt sei. In der Zwischenzeit habe ich mich daran gewöhnt, weniger ins Tagesgeschäft involviert zu sein.

Die einzige, die sich mit dem Wechsel noch nicht wohlfühlt, ist meine Jaya. Vorher hatte die kleine Hündin deutlich mehr Unterhaltung. Sie konnte im Gang spazieren, traf immer nette Leute, hatte ihre Spezialfreunde, erhielt viele Streicheleinheiten und zur Abwechslung auch Hundeguezli. Jetzt liegt sie oft vor der Tür zum ersten Stock und wartet auf eine Gelegenheit, in Richtung Unterhaltung zu entwischen. Ist ihr das gelungen, spaziert sie durch die Gänge und legt sich am Ende des Ausflugs in mein früheres Büro. Jaya hat den Wechsel definitiv noch nicht verstanden…


Kundenfokus: «Wir denken mit – für Ihren Erfolg»

Unser Kunde war ratlos. Als Getränkelieferant für ein Wochenendfest hatte er schon im Laufe des ersten Tages festgestellt, dass die vom Kunden bestellte Weinmenge niemals für das gesamte Fest reichen würde. Was nun? In dieser unangenehmen Lage konnte er sich auf Bataillard als Partner verlassen. Rasch wurde ein situationsgerechtes Konzept ausgearbeitet, anhand der bereits konsumierten Mengen der neue Verbrauch berechnet und unkompliziert zusätzliche Liefermengen zur Verfügung gestellt. Da kann es schon mal passieren, dass ein Mitarbeiter von Bataillard die Ware selber vorbeibringt.

Einmal mehr hatten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine ihrer Stärken bewiesen: Wir gehen auf jeden einzelnen Kunden ein. Wir verstehen seine Bedürfnisse. Wir schneidern Leistungspaletten auf Mass und kreieren individuelle Produkte. Natürlich nicht erst, wenn der Kunde sich bei uns meldet: Interdisziplinäre Teams aus Marketing und Verkauf analysieren den Markt, entdecken Schwachpunkte und beurteilen Absatzchancen. So schlagen wir unseren Kunden aktiv und konstruktiv Lösungen vor.


Bleibende Eindrücke: Vor 100 Jahren in Baja California

Auf unserer Reise durch Baja California besuchen wir natürlich auch die grossen Kellereien und freuen uns über die schönen Landschaften. Als wir den Weg zurück ins Hotel antreten wollen, schlägt unser Fahrer noch einen Besuch auf einem Weingut vor. «Das Beste im Tal, ein Geheimtipp», sagt er. Wir landen vor einem kleinen Hof. Vor dem Haus steht ein riesiger Baum. In seinem Schatten liegen etwa 10 Weinfässer, welche von einer Sprinkleranlage gekühlt werden. Es ist sehr heiss, und ich wundere mich über die Lagerung der Weinfässer. Beeinträchtigt das nicht die Qualität?

In der Küche degustieren wir je einen Weiss- und einen Rotwein. Meine Befürchtung bewahrheitet sich: Der Rotwein ist oxidiert und macht keinen grossen Spass, der Weisswein trüb. Ist der Wein denn nicht filtriert? «Doch, doch», entgegnet die Frau des Önologen und zeigt mir stolz einen Melitta-Kaffeefilter… Ich bin wütend auf unseren Taxifahrer. Aber dann überlege ich mir, dass Wein vor 100 Jahren genauso geschmeckt haben muss – der Taxifahrer hat uns auf eine interessante Reise in die Vergangenheit mitgenommen. Es gelingt uns nicht, die Küche ohne Weinkauf zu verlassen. So nehmen wir je eine Flasche Wein mit… und schenken sie unseren Taxifahrer als Belohnung.


 

Zum Führungswechsel bei Bataillard

Per 19. März 2012 übergebe ich die Geschäftsführung der Bataillard-Gruppe an Stefan Keller und übernehme im Mai an der Generalversammlung das Amt der Verwaltungsrats-präsidentin. Als Unternehmerin bin ich über das Tagesgeschäft hinaus gefordert und verpflichtet, die Zukunftsfähigkeit der Bataillard & Cie AG zu erhalten und zu gestalten. Das bedeutet für mich persönlich eine grosse Veränderung. Für unsere Mitarbeitenden, Kunden und Partner ist diese Verstärkung der Führungsstruktur jedoch vor allem ein weiteres Bekenntnis zu unserer Wachstumsstrategie.

Ich bin davon überzeugt, dass wir unser Unternehmen mit einem äusserst fähigen Mann an der richtigen Position verstärken, der auch für unsere Werte steht. Wir haben Stefan Keller als klugen, unkomplizierten und hochkompetenten Schnelldenker kennen gelernt, mit dem wir sofort eine gute Verbindung aufgebaut haben. Wir finden, dass er hervorragend zu uns passt und uns ergänzt.

Die Veränderungen sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weinend, weil ich die Aufgabe als Geschäftsführerin geliebt habe. Lachend, weil ich mich auf die neue Aufgabe freue. Als aktive Verwaltungsratspräsidentin werde ich die Firma gegen aussen repräsentieren, Netzwerke pflegen und Massnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit definieren. Die Firma Bataillard ist ein fester Bestandteil meines Lebens und wird es auch mit diesem Wechsel bleiben. Wir Aktionäre glauben fest an die Zukunft der Firma und wollen die Entwicklung auch künftig nahe begleiten.

Nicht nur dem Unternehmen bleibe ich erhalten, sondern auch Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser: Ich freue mich darauf, an dieser Stelle weiterhin über meine Erfahrungen, Erlebnisse mit Wein und meine Herausforderungen als Unternehmerin zu berichten.


Weitblick: Mit Innovationen einen Schritt voraus

Ein potenzieller Lieferant, der sich gerade intensiv nach Partnern auf dem Schweizer Markt umsah, sagte einmal zu mir: «Kein Unternehmen ist so strategisch aufgestellt wie Bataillard.» Damit bezog er sich auf unseren zweiten Wert: den Weitblick. Er sah uns einerseits im Produktbereich innovativ wie kein zweites Unternehmen unserer Branche, andererseits in der Unternehmensführung langfristig strategisch agierend.

Unsere Devise ist es, Risiken stets genau und von allen Seiten abzuschätzen. Wir unternehmen keine grösseren finanziellen Aktivitäten ohne eine gründliche Analyse der Situation und aller Möglichkeiten – bis hin zur Ausarbeitung eines Worst-Case-Szenarios. Herausforderungen begegnen wir engagiert, und wir suchen Lösungen so lange, bis wir die optimale gefunden haben. Manchmal geschieht das dann eben nicht im Büro, sondern in ungewöhnlicher Umgebung: Bisweilen sogar auf einem meiner täglichen Spaziergänge mit meinem Hund, auf denen ich den Weitblick oft auch im wörtlichen Sinn finde.


Kinder machen vor, wie es geht

Seit zwei Jahren beteilige ich mich privat aktiv an der Sanni Foundation, einer Stiftung, die eine Freundin in Südindien gegründet hat. Wir vermitteln 130 Patenkinder, welche in drei Waisenhäusern aufwachsen, und betreiben ein Krankenhaus für HIV-Patienten. Dieses Jahr konnten wir mit den neu gesammelten Geldern ein Krankenhaus mit 50 Betten bauen, das am 5. November feierlich eröffnet wurde. Dass die Menschen dort so dankbar sind, obwohl sie unter grosser Armut leiden, hat mich tief beeindruckt. Am meisten berührten mich die Kinder, welche HIV-infiziert sind und ihre Eltern verloren haben. Obwohl genau diese kleinen Waisen eigentlich allen Grund hätten, unglücklich zu sein, ist ein Funkeln und eine Fröhlichkeit in ihren Augen, die mich absolut erstaunen. Diese unbeschwerte Lebensfreude, dieses Urvertrauen in das Leben hat mich nach Hause begleitet. Die Erinnerung daran rückt mein Weltbild immer wieder gerade, wenn ich über Alltagsprobleme stöhnen will…



Inspirierende Begegnungen: Marcel Guigal

Der Ruf der Familie Guigal als absolute Wein-Topelite eilt ihr voraus. So stehe ich bei meinem ersten Besuch im Rhonetal mit leicht pochendem Herzen vor der Tür. Neugierig und auch etwas ehrfürchtig. Wird es uns gelingen, mit Guigal zusammenzuarbeiten? Man führt mich in ein getäfertes Büro mit wunderbaren römischen und griechischen Antiquitäten. Marcel Guigal begrüsst mich herzlich und hebt leicht sein legendäres Beret. Ich packe meine gut durchdachte Präsentation aus. Aber Marcel Guigal will davon nichts hören und erzählt mir aus seinem Leben. Sein Vater war ein armer Weinarbeiter und hat das ganze Leben hart geschuftet, um sich einen eigenen Keller zu kaufen. Früh ist er erblindet, und Marcel musste als junger Bursche in die Firma einsteigen. Und hat in den folgenden 50 Jahren aus ein paar Hektar Reben ein wahres Imperium geschaffen. Noch heute steht er um 5 Uhr im Keller, degustiert täglich 30 bis 100 Weine und ist über jedes Details stets im Bild.

Meine Präsentation nehme ich ungeöffnet wieder mit. Ich habe verstanden: Marcel Guigal wollte unsere Partnerschaft «erfühlen», die gegenseitigen Werte verstehen und den Menschen hinter der Firma kennen lernen. Bei unserem Rundgang durch den Keller darf ich die legendären Weine La Turque, La Landonne, La Dorianne 2005 aus dem Fass degustieren. Ich bin auf dem Wein-Olymp angekommen. Und was hat mir dieser Besuch wieder einmal bestätigt? Harte Arbeit, Herzblut und ein gutes Bauchgefühl können Berge versetzen.


Inspirierende Begegnungen: Marcel Guigal

Der Ruf der Familie Guigal als absolute Wein-Topelite eilt ihr voraus. So stehe ich bei meinem ersten Besuch im Rhonetal mit leicht pochendem Herzen vor der Tür. Neugierig und auch etwas ehrfürchtig. Wird es uns gelingen, mit Guigal zusammenzuarbeiten? Man führt mich in ein getäfertes Büro mit wunderbaren römischen und griechischen Antiquitäten. Marcel Guigal begrüsst mich herzlich und hebt leicht sein legendäres Beret. Ich packe meine gut durchdachte Präsentation aus. Aber Marcel Guigal will davon nichts hören und erzählt mir aus seinem Leben. Sein Vater war ein armer Weinarbeiter und hat das ganze Leben hart geschuftet, um sich einen eigenen Keller zu kaufen. Früh ist er erblindet, und Marcel musste als junger Bursche in die Firma einsteigen. Und hat in den folgenden 50 Jahren aus ein paar Hektar Reben ein wahres Imperium geschaffen. Noch heute steht er um 5 Uhr im Keller, degustiert täglich 30 bis 100 Weine und ist über jedes Details stets im Bild.

Meine Präsentation nehme ich ungeöffnet wieder mit. Ich habe verstanden: Marcel Guigal wollte unsere Partnerschaft «erfühlen», die gegenseitigen Werte verstehen und den Menschen hinter der Firma kennen lernen. Bei unserem Rundgang durch den Keller darf ich die legendären Weine La Turque, La Landonne, La Dorianne 2005 aus dem Fass degustieren. Ich bin auf dem Wein-Olymp angekommen. Und was hat mir dieser Besuch wieder einmal bestätigt? Harte Arbeit, Herzblut und ein gutes Bauchgefühl können Berge versetzen.


Herzblut: Mit Leib und Seele – selbstverständlich

Es freut mich immer wieder, zu sehen, dass unsere Werte fest in den Köpfen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verankert sind und auch gelebt werden. Dazu eine Geschichte, die dies schön illustriert: Die Angestellten unseres Betriebes sorgen mit grosser Zuverlässigkeit dafür, dass unsere Weine, korrekt etikettiert, in den richtigen Mengen bereitstehen und rechtzeitig ausgeliefert werden.

Mit Beginn der Provins-Kooperation im vergangenen Jahr erhöhte sich ihre Arbeitslast auf einen Schlag: Neue Produkte mussten integriert werden, Arbeitsabläufe überarbeitet, Prozesse angepasst und neue Mitarbeiter eingeführt werden.

Ich spürte intensiv, dass jeder diese Herausforderung zum Erfolg bringen wollte. So wurde denn auch in dieser strengen und anspruchsvollen Übergangszeit ohne Weiteres bis 1.30 Uhr in der Nacht gearbeitet. Dazu gehörte Biss und Beharrlichkeit. Unsere Mitarbeiter haben mit ihrem grossen Engagement von Herzblut eben nicht bloss geredet – sondern es ganz einfach bewiesen.


Jubiläen

Dass es möglich ist gerade 4 Mitarbeitern zu ihren 10 beziehungsweise 20-jährigen Jubiläum in der Firma Bataillard innerhalb einer Woche zu gratulieren ist schon einzigartig! Das sind Momente, die mir bleiben und mich für weniger Erfreuliches belohnen. 20 Jahre in unserem Hause heisst, dass sich ein Mitarbeiter gut 40‘000 Stunden oder 1.2 Mio. Minuten für das Wohl der Firma Bataillard eingesetzt hat! Kontinuität, Loyalität und Mitdenken hat keinen Preis, kann nicht befohlen und nicht erwartet werden. Es braucht auch Herzblut um einer Firma so lange die Treue zu halten. Herzblut ist einer unsere Werte. Diese Mitarbeiter sind Herzblut-Botschafter in unserer Firma. Je breiter sie ausschwärmen, desto grösser ist das Team welches sie mitreissen können und desto grösser ist die Wirkung innerhalb und ausserhalb der Firma.

Deshalb bin ich dankbar für die langjährige Treue und das viele Herzblut, welches unsere Firma hat blühen lassen.


Was bringen Betriebsausflüge?

Mitte September reiste die ganze Belegschaft der Bataillard-Gruppe nach Sion, um dem Kooperationspartner Provins bei der Ernte zu helfen. Bringen solche gemeinschaftlichen Aktivitäten etwas? Immerhin ist ein Betriebsausflug eine beträchtliche Investition. Die Reise selber kostet Geld, dazu die Verpflegung und Hotelübernachtungen. Zudem geht Arbeitszeit verloren, in unserem Fall netto gut 100 Tage. Rein unternehmerisch könnte man sich also fragen, ob sich der Aufwand lohnt. Aber: Ein gemeinsames Erlebnis verbindet und fördert den Zusammenhalt. Man hat Spass, lernt sich in ungezwungener Atmosphäre von einer anderen Seite kennen – was die künftige Zusammenarbeit vereinfacht. Neue Mitarbeitende werden besser integriert. Das verbessert die Unternehmenskultur und nützt dem gesamten Unternehmen.

Eine Firma mit einer klaren Strategie ist erst erfolgreich, wenn sie diese konsequent umsetzt und ihre Unternehmenskultur pflegt. Der Aufbau einer solchen Kultur ist zwar sehr zeitaufwändig – aber sie ist ein Wettbewerbsvorteil, der von niemandem kopiert werden kann. Deshalb glaube ich fest an gemeinsame Aktivitäten. Betriebsausflüge tragen dazu bei, den Weg zu einer starken Unternehmenskultur zu ebnen. Einer Kultur, die letztlich auch betriebswirtschaftliche Folgen hat.


Unternehmenswerte konkret: «Unmöglich»?

Haben Sie schon einmal versucht, mit verbundenen Augen in einer Gruppe aus acht Personen, die in einem Kreis untereinander mit Schnüren verbunden ist, ein auf einen bestimmten Punkt in der Umgebung ausgerichtetes gleichschenkliges Dreieck zu bilden? Das war eine unserer Aufgaben am diesjährigen Mitarbeitertag zum Thema «Werte».

«Unmöglich», war zu hören, und: «Das geht doch gar nicht.» Aber unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wären keine Bataillard-Leute, wenn sie so einfach aufgegeben hätten. Was anfangs wie eine nicht zu bewältigende Aufgabe aussah, sind sie Schritt für Schritt angegangen und haben dank gutem Zuhören, konstruktiven Vorschlägen und geduldigem Ausprobieren mit Bravour die Lösung erarbeitet. So wie auch für alle weiteren meist kniffligen Aufgaben, die uns an diesem Tag noch gestellt wurden. Wir holten Punkt um Punkt und freuten uns am Ende gemeinsam, dass wir von 24 möglichen 21 Punkte erreicht hatten. Der Durchschnitt in anderen Unternehmen, so sagte unser Coach, liege bei 18 Punkten…


Unsere Werte

Werte definieren den inneren Zusammenhalt und den Antrieb eines Unternehmens. Vor acht Jahren haben wir bei Bataillard unsere Werte festgelegt. Damals waren es acht Kernthemen, die unsere Einstellung zeigen, unsere Unternehmenskultur beschreiben und unser tägliches Handeln bestimmen sollten. Mit dem Neuauftritt von Bataillard in diesem Jahr sollten diese Werte überprüft und wo nötig angepasst werden. Das hat jedoch nicht dier Unternehmensführung getan: Ein multifunktionales Team aus allen Abteilungen hat unsere Werte überarbeitet. Mit Unterstützung eines Coaches haben sie sich gefragt: Was wollen wir nicht mehr sein? Was macht Bataillard aus? Wo sehen wir uns in Zukunft? So haben sich die bestehenden acht Werte schliesslich auf drei konzentriert:

Herzblut: Bei allem, was wir tun, sind wir von ganzem Herzen mit Eigeninitiative und Kreativität dabei.

Weitblick: Wir konzentrieren uns nicht nur aufs Heute, sondern blicken stets in die Zukunft und gestalten diese aktiv. So sind wir immer einen Schritt voraus.

Kundenfokus: Wir tun alles, um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden zu steigern. So sind wir gemeinsam erfolgreich.

An einem Mitarbeitertag haben wir diese Werte verabschiedet und gemeinsam unser Sollverhalten definiert: Wir sind freundlich. Wir sind offen für Neues. Und wir hören gut zu: unseren Kunden, unseren Partnern – und einander.


 

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